Ernst Tollers Lebenserinnerungen Eine Jugend in Deutschland klären auf und berühren. Sie zählen zu den besten autobiographischen Schriften des 20. Jahrhunderts.
1893 wurde Ernst Toller in einer kleinen Stadt in Posen in eine bürgerliche, deutsch-jüdische Familie geboren. Er erinnert sich, wie schon die Kinderwelt durch unterschwellige Gewalt und Unrecht geprägt gewesen ist. Die Gegensätze zwischen arm und reich, Vorurteile zwischen Polen und Deutschen und antisemitische Beschimpfungen belasteten die Beziehung zwischen seinem Schulfreund Stanislaus und ihm.
Toller meldete sich freiwillig in den Ersten Weltkrieg – um seine Zugehörigkeit zu den Deutschen zu beweisen. Rasch war er entsetzt, wandelte sich zum Kriegsgegner und nahm schließlich an der Revolution im November 1918 teil.
Seine Wandlung zum Kriegsgegner habe sich vollzogen, als er auf dem Schlachtfeld auf einen Leichnam traf und dachte: Ein – toter – Mensch –
Und plötzlich, als teile sich die Finsternis vom Licht, das Wort vom Sinn, erfasse ich die einfache Wahrheit Mensch, die ich vergessen hatte, die vergraben und verschüttet lag, die Gemeinsamkeit, das Eine und Einende.
Ein toter Mensch.
Nicht: ein toter Franzose.
Nicht: ein toter Deutscher.
Ein toter Mensch.
Alle diese Toten sind Menschen, alle diese Toten haben geatmet wie ich, alle diese Toten hatten einen Vater, eine Mutter, Frauen, die sie liebten, ein Stück Land, in dem sie wurzelten, Gesichter, die von ihren Freuden und ihren Leiden sagten, Augen, die das Licht sahen und den Himmel. In dieser Stunde weiß ich, dass ich blind war, weil ich mich geblendet hatte, in dieser Stunde weiß ich endlich, dass alle diese Toten, Franzosen und Deutsche, Brüder waren und dass ich ihr Bruder bin.
Frank Meier-Barthel
wird Passagen aus Eine Jugend in Deutschland vorlesen.
Gerlind Tautorus
wird die Stimmungen des Textes mit ihrem Spiel auf der Violine aufgreifen, verstärken, kommentieren.
Eine Kooperation der GCJZ Herford mit der Ev. Erwachsenenbildung im Kirchenkreisverband.
Termin:
Dienstag
6. Oktober 2026
19:30 Uhr
Ort:
Synagoge Herford
Komturstr. 21-23
32052 Herford
Eintritt frei.
Eine Anmeldung ist nicht erforderlich.